
„Experience Design That Works" – wenn aus Visionen Währung wird, der Menschen vertrauen
Was macht gutes Banknotendesign aus – jenseits von Ästhetik? Für Marc Mittelstaedt, Head of Design bei G+D, steht fest, dass eine Banknote funktionieren muss: technologisch, gestalterisch, im Umlauf. Im Interview erklärt er, wie G+D Zentralbanken intelligent einbindet und warum „Designing Experience“ mit Integration beginnt und in Vertrauen mündet.

Herr Mittelstaedt, der Satz „Experience Design That Works“ klingt interessant. Was verstehen Sie bei G+D darunter?
Der Satz hat bei uns nicht nur eine ästhetische, sondern auch eine sehr technische Bedeutung. Eine Banknote muss in erster Linie funktionieren. „Design is only WOW if it WORKS“ - sowohl im Cash Center, im Portemonnaie als auch über den gesamten Bargeldkreislauf hinweg. Wenn ein Schein schön aussieht, aber in der Produktion Probleme bereitet oder bei hoher Umlaufbelastung schnell verschleißt, hilft das niemandem.
Gleichzeitig sind Banknoten viel mehr als ein Zahlungsmittel. Sie sind Teil des Alltags, sie tragen Geschichte und Identität und verbinden Menschen. Sie müssen schützen und verbinden. „Experience Design That Works“ beschreibt daher beides: das Nutzungserlebnis für alle, die eine Banknote in den Händen halten, und den Erfahrungsschatz, den wir als Partner in jedes Projekt einbringen.
Wie erleben Zentralbanken diesen Ansatz in der Zusammenarbeit mit Ihnen ganz konkret?
Wir sprechen gerne von einer gemeinsamen positiven Erfahrung. Weil die beste Banknote auch immer ein Gemeinschaftswerk ist. Unsere Kunden bringen ihre Ziele, Motive, manchmal auch eigene Designer oder bevorzugte Komponenten mit. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Fälschungssicherheit, Nachhaltigkeit und Compliance, das heißt, wir garantieren innovative Kooperationsmodelle und sorgen dafür, dass aus all diesen Bausteinen eine Lösung entsteht, die technisch, sicherheitsfokussiert und wirtschaftlich funktioniert.
Ein gutes Beispiel ist Kasachstan: Gemeinsam mit der Nationalbank haben wir die Saka-Style-Serie entwickelt, mit einem durch den Kunden eingebunden Designer, klaren kulturellen Vorgaben und spezifischen Feature-Wünschen. Unsere Aufgabe war es, diese Vision so zu übersetzen, dass sie in der Realität trägt: passende Substrate, integrierte Sicherheitsfäden und Patches, maschinelle Verarbeitung, Farbschemata. Am Ende stand eine Serie, die Tradition, Kultur und Vertrauen sichtbar macht. Als dann noch der 10.000-Tenge-Schein 2024 als „Best New Banknote Asia“ ausgezeichnet wurde, war das in erster Linie ein Award für die Währung des Kunden aber natürlich auch eine Bestätigung unserer Arbeit.

Von der ersten Idee bis zur fertigen Banknote: Wie läuft ein typisches Designprojekt ab?
Das „typische“ Designprojekt gibt es nicht. Am Anfang steht aber immer die Vision der Zentralbank: Welche Geschichte soll die Währung erzählen? Welche Sicherheits- und Nachhaltigkeitsziele gibt es? In gemeinsamen Workshops schärfen wir diese Anforderungen, analysieren Cash-Cycle-Daten und definieren, welche Stückelungen und Einsatzszenarien im Fokus stehen. Darauf folgt eine Konzeptphase, in der wir erste Designrichtungen und Storylines entwickeln, immer im Dialog mit dem Kunden. Parallel prüfen wir Substrate und Sicherheitsfeatures, simulieren Kombinationen und ermitteln mit Datenanalysen, was unter den konkreten Rahmenbedingungen am besten funktioniert. Danach werden Design und Features im Detail ausgearbeitet: Linienführung, Farbkonzept, Wasserzeichen, Faden, Fenster, Patches, inklusive digitaler Proofs.
Ein holistischer Prozess, der nichts dem Zufall überlässt
… die dann in der technischen Designphase münden ...
... in der Andrucke auf echten Maschinen folgen, mit realen Farben und Platten. Erst wenn der Kunde die gedruckten Proofs gesehen hat und wir gemeinsam sicher sind, dass alles im Cash Cycle funktioniert, geht die Banknote in die Produktion. Unser Anspruch ist ein holistischer, verlässlicher und durch fundierte Daten abgesicherter Prozess, bei dem wir von der ersten Idee bis zur ausfallsicheren Produktion nichts dem Zufall überlassen.
Sie sprechen von Banknoten als High-Tech-Produkten. Was bedeutet das für Design und Features?
Richtig, eine moderne Banknote ist ein vielschichtiges High-Tech-Produkt. Sie muss auffallen und leicht überprüfbar sein und gleichzeitig langlebig, nachhaltig und effizient im gesamten Bargeldkreislauf funktionieren. Wir setzen deshalb auf Innovation in jeder Schicht: vom Substrat über Beschichtungen bis hin zu Fäden, Fenstern und Patches. Nehmen Sie zum Beispiel Substrate wie Green LongLife™ oder Hybrid™-Lösungen: Sie kombinieren Baumwolle mit anderen Fasern, sind schmutz- und wasserabweisend und verlängern die Lebensdauer deutlich bei gleichzeitig nahtlos integrierten Sicherheitsmerkmalen. Unser Ziel ist es, „beauty more secure and security more beautiful“ zu machen: Features, die nicht wie Fremdkörper wirken, sondern die Geschichte der Banknote erzählen. Wenn ein Faden, ein Fenster oder ein Patch das Motiv aufgreift, Bewegungen erzeugt und dabei eine klare Sicherheitsbotschaft sendet, entsteht eine intuitive, mehrschichtige Sicherheitserfahrung.
Welche Rolle spielen Erfahrung und Teamzusammenstellung in diesem Prozess?
Erfahrung ist schlichtweg ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Wir arbeiten seit Jahrzehnten mit über 140 Zentralbanken weltweit zusammen und haben unzählige Kombinationen von Design, Features und Produktionsumgebungen gesehen. Wir nennen das manchmal „KNOW-WOW“: Erfahrung, die wir in Ästhetik übersetzen, die technisch, visuell und wirtschaftlich funktioniert. Gleichzeitig ist Banknotendesign immer Teamarbeit. Unter einem Dach arbeiten Banknotendesigner, Feature-Spezialisten, Experten für Maschinenlesbarkeit und Currency-Cycle-Analysten zusammen. Von Tag eins prüfen wir Entwürfe darauf, wie sie sich drucken, prüfen, transportieren und nutzen lassen. Das verstehen wir unter „TEAM. WORKS.“, was beschreibt, wie aus interdisziplinärer Zusammenarbeit Banknoten entstehen, die überall und für alle zuverlässig funktionieren.
Vom Claim zur gelebten Realität

Was bedeutet das für Vertrauen in die Währung aber auch in die Zusammenarbeit mit Ihnen?
Vertrauen entsteht durch Transparenz und durch Ergebnisse, die im Alltag tragen. Unsere Kunden sind eng eingebunden, sehen jeden Schritt, verstehen, warum wir bestimmte Empfehlungen geben – etwa wenn wir von einer Feature-Kombination abraten, weil sie in der Produktion zu Risiken oder Mehrkosten führen würde. Gleichzeitig respektieren wir, wenn Zentralbanken eigene Partner mitbringen, sei es ein lokaler Designer oder ein bestimmter Komponentenlieferant. Unsere Aufgabe ist es, all diese Elemente so zu integrieren, dass am Ende eine Banknote „wie aus einem Guss“ entsteht, die alle Vorgaben erfüllt.
Im Idealfall hört man dann vom Kunden: „Wir konnten unsere Vision realisieren, eigene Partner einbinden und haben gemeinsam eine Banknote geschaffen, die funktioniert und international Anerkennung findet.“ Wenn das passiert, dann ist „Experience Design that works“ nicht nur ein Claim, sondern gelebte Realität – für Zentralbanken, für ihre Bürgerinnen und Bürger und für alle, die täglich mit Bargeld arbeiten und umgehen.



