
Fälschungssicherheit kommt von innen
Fälschungssicherheit wird einer Banknote nicht erst am Ende des Designprozesses hinzugefügt, sie ist vielmehr fest in die Architektur der Note integriert – und funktioniert dann am besten, wenn Substrat und Druck als ein sich gegenseitig verstärkendes Gesamtsystem konzipiert sind. Genau deshalb, so Felix Ehrtmann, Produktmanager Integration + Print bei G+D Currency Technology, muss die Debatte über Fälschungssicherheit bereits beim Substrat ansetzen.

Felix Ehrtmann, Product Manager Integration + Print bei G+D Currency Technology
Wer einen brandneuen Geldschein aus dem Portemonnaie zieht, sucht nicht als Erstes nach einem Wasserzeichen. Die Note wird zunächst gefühlt: die typische Griffigkeit des Papiers, die Struktur des Drucks, die gesamte haptische Signatur. Dadurch findet eine erste, unbewusste Echtheitsprüfung statt, noch bevor der Schein gezielt unter die Lupe genommen wiord. Oder, wie Felix Ehrtmann, Produktmanager Integration + Print bei G+D Currency Technology, es ausdrückt: „Vertrauen ist das Fundament jeder Währung. Und dieses Vertrauen entsteht nicht von allein; es wird durch durchdachtes Design, Technologie und gezielte Kommunikation aufgebaut.“
Eine „Desktop-Bedrohung“, die die Spielregeln verändert
Dabei wird Falschgeld heute längst nicht mehr nur von Spezialisten mit Profi-Equipment hergestellt. Der Druck kommt zunehmend von leicht zugänglichen Reproduktionstechnologien, die für jedermann relativ günstig zu haben sind. „Wir beobachten einen vermehrten Einsatz fortschrittlicher Tintenstrahl- und Toner-Systeme, die im Handel frei erhältlich sind“, erklärt Ehrtmann. „Diese Technologien können zwar das Aussehen einiger Merkmale imitieren, aber nicht die Substanz, die dahintersteckt.“
Dieser Wandel führt zu einer entscheidenden Erkenntnis für Zentralbanken: Sicherheit darf nicht als eine lose Aneinanderreihung von Einzeleffekten betrachtet werden: ein Hologramm hier oder ein gedrucktes Element dort reicht für sich allein nicht aus. Wahre Resilienz entsteht durch einen Systemansatz, bei dem Substrat und Druck so ineinandergreifen, dass Fälscher mit dem bloßen Kopieren der Oberfläche scheitern.
In der Praxis ist dieses System wie ein mehrschichtiges Zusammenspiel aufgebaut:
- Integrierte Substratmerkmale (wie mehrstufige Wasserzeichen und dynamische Sicherheitsfäden wie RollingStar®), die sich mit handelsüblicher Drucktechnik nicht nachbilden lassen.
- Gedruckte und aufgebrachte haptische sowie optische Effekte (zum Beispiel Stichtiefdruck-Strukturen, optisch variable Farben und Sicherheitsfolien wie RollingStar® Patch), die Komplexität schaffen und eine schnelle Überprüfung durch die Nutzenden ermöglichen.
- Maschinenlesbare Elemente, die die Echtheitsprüfung im gesamten Bargeldkreislauf unterstützen - von Verkaufs- und Ticketautomaten bis hin zur Hochgeschwindigkeitsbearbeitung.
- Zentralbankspezifische Merkmale wie das M-Feature®, die als unüberwindbare letzte Hürde dienen.
Das verbindende Element dieser Schichten ist die Balance: bei einer gut gestalteten Banknote findet Sicherheit nicht allein an der Oberfläche statt und stützt sich nicht auf ein einziges „Hero-Feature“. Vielmehr verstärken sich Substrat und Druck gegenseitig. „Normalerweise stammt etwa die Hälfte des Schutzes von Merkmalen, die direkt im Papier verankert sind - wie Wasserzeichen, Sicherheitsfäden und -fasern. Die andere Hälfte liefern der Druck und nachträglich aufgebrachte Elemente“, erklärt Ehrtmann. Zusammen bilden sie ein echtes “Schlüssel-Schloss-Prinzip”: Die eingebetteten Merkmale sorgen für Tiefe und Fälschungssicherheit; der Druck sorgt für schnelle Wiedererkennung, haptische Prüfbarkeit und zusätzliche optische Finesse.
Eingebettet oder aufgebracht? Warum die Wahl des Substrats entscheidend ist
Wo also „lebt“ die Sicherheit? Im Inneren des Substrats oder hauptsächlich auf der Oberfläche? Bei klassischen Banknoten auf Naturfaserbasis sind die Kernmerkmale direkt in die Banknote eingebettet. „Wasserzeichen und Fäden sind fester Bestandteil des Substrats und nicht bloß außen aufgebracht“, so Ehrtmann. „Das macht einen fundamentalen Unterschied, weil eingebettete Sicherheit nicht auf dieselbe Weise nachgeahmt werden kann wie ein reiner Oberflächeneffekt.“
Im Gegensatz dazu verlagern Polymerbanknoten einen größeren Teil ihres Schutzes auf das, was auf die Oberfläche aufgetragen werden kann. „Auch heute noch basiert der Schutz bei Polymer-Noten zu einem großen Teil auf dem aufgedruckten Oberflächen-Design“, gibt Ehrtmann zu bedenken. Für Zentralbanken bedeutet das in der Praxis keine Entscheidung für das eine oder das andere Material, sondern es ist vielmehr eine Frage des Gestaltungsspielraums: Wie viele Sicherheitsebenen lassen sich direkt im Substrat verankern, und wie viel hängt von Effekten ab, die erst nachträglich auf die Oberfläche kommen?
Ehrtmann zieht zudem eine klare Linie zwischen optischem Wow-Effekt und tatsächlicher Sicherheitstiefe: „Ein transparentes Fenster wird oft als das Nonplusultra der Sicherheit präsentiert“, sagt er. „Strategisch gesehen muss man sich jedoch fragen, was es wirklich bringt.“ Die Frage ist nicht, ob ein Merkmal markant aussieht, sondern ob es einen sinnvollen Beitrag zu einem mehrschichtigen System leistet, das mit leicht zugänglichen Reproduktionsmethoden eben nicht einfach nachgemacht werden kann.
Sicherheit von innen nach außen aufgebaut
Die effektivsten Sicherheitsmerkmale sind meist die, die der Mensch ganz intuitiv überprüfen kann. Hier wird die Haptik weit mehr als nur ein “nettes Extra”. Erhabene Druckstrukturen ermöglichen im Alltag eine schnelle und verlässliche Echtheitsprüfung - und sie lassen sich ohne industrielle Spezialmaschinen kaum glaubhaft nachahmen.
Da Reproduktionstechnologien immer zugänglicher werden, verschiebt sich der strategische Vorteil hin zu Banknoten, die nicht nur in der Theorie, sondern in der Praxis sicher sind: mehrschichtig, intuitiv prüfbar und absolut alltagstauglich. Am Ende geht es nicht um die Entscheidung für ein bestimmtes Merkmal oder Material. Es ist die grundlegende Entscheidung darüber, ob Sicherheit nur eine Fassade sein soll oder im Kern verankert wird.