Edward Baines, Zeitungsverleger und Parlamentsabgeordneter aus dem englischen Leeds, konnte, was die Baumwolle angeht, kaum an sich halten: Im Jahre 1835 bezeichnete er den Rohstoff als ein regelrechtes “Spektakel”. Eines, das “in den Annalen der Industrie seinesgleichen sucht, sei es in der Schnelligkeit seines Wachstums, in dem Volumen, das es erreicht hat, oder in den wunderbaren Erfindungen, denen sein Fortschritt zu verdanken ist”.

Zugegeben: die Industrielle Revolution war in vollem Gange und die Baumwolle ihr Treibstoff. Dennoch bringt Baines es mit dieser euphorischen Würdigung in seiner “History Of The Cotton Manufacture” schon vor fast 200 Jahren ziemlich genau auf den Punkt: die technologischen Errungenschaften, die mit der Baumwolle in Verbindung gebracht werden, der revolutionäre Fortschritt, der ohne sie undenkbar gewesen wäre, ihre Bedeutung für Industrie, Gesellschaft, Wirtschaft, ihre Effizienz. Und auch heute noch ist Baumwolle so allgegenwärtig, dass man sie kaum noch wahrnimmt als das, was sie tatsächlich ist: eine der großen Errungenschaften der Menschheit.

Vom ganz Großen lohnt aber immer auch ein Blick ins Detail, in die Tiefe dessen, was die weißen Baumwollbälle ausmacht. Für eine erste Einordnung helfen dazu einige Fakten: Aus 100 Kilogramm Baumwolle lassen sich zum Beispiel 100 Paar Jeans, 550 Herren-T-Shirts, 3.000 Windeln oder 300.000 Wattebäusche herstellen, rechnet das International Cotton Advisory Committee (ICAC) vor. 

Baumwolle überzeugt durch nachhaltige Effizienz


Und, so schätzt das ICAC weiter, bietet eine einzige Tonne Baumwolle ein Jahr lang bis zu sechs Menschen Beschäftigung. Außerdem, und das ahnte bereits der Zeitungsverleger Baines im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts, besticht Baumwolle mit ihrer Effizienz: für ihre Produktion, die 27 Prozent des weltweiten Textilbedarfs deckt, werden nur drei Prozent der globalen landwirtschaftlichen Fläche genutzt.

Hinzu kommt ihre Nachhaltigkeit, anders formuliert ihre negative CO2-Bilanz: Alle landwirtschaftlichen Nutzpflanzen erzeugen bei der Produktion Treibhausgase, so auch die Baumwolle. Sie emittiert, um ein Kilogramm Fasern zu produzieren, 1,7 Kilogramm Kohlendioxid, hauptsächlich verursacht durch den Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden beim konventionellen Anbau. In ihren Blättern und im Boden bindet sie jedoch 2,2 Kilogramm des Treibhausgases, was bedeutet, dass sie der Atmosphäre mehr CO2 entzieht, als sie ausstößt. “Baumwolle nutzt Sauerstoff und CO2 zur Herstellung von Zellulose, und da ihre Fasern zu 96% bis 98% aus reiner Zellulose bestehen, ist Baumwolle die am besten biologisch abbaubare Naturfaser der Welt"”, so das ICAC.

In diesem Mix aus Nachhaltigkeit, Effizienz, Haltbarkeit und weltweiter Verfügbarkeit verwundert es kaum, dass die Baumwolle auch ihren Weg in die Produktion von Sicherheits- und Banknotenpapieren gefunden hat. Genauer: kurzfasrige Baumwollkämmlinge. Die weißen Baumwollbällchen werden gepflückt, dann in einer Fabrik verarbeitet und zu langen Garnen gekämmt. Beim Kämmen der Baumwollbälle fallen kleine Stücke ab, aus denen sich Banknoten herstellen lassen – aber auch technische Textilien, Sicherheitspapiere, Mischungen für grobes Garn oder, im Open-End-Spinnverfahren, Denim.

Was die konkreten Zahlen betrifft, so werden weltweit jährlich rund 24 Millionen Tonnen Baumwolle geerntet, wobei bei der Verarbeitung etwa 20 bis 30 Prozent der Baumwollkämmlinge als Nebenprodukt anfallen – also rund sechs Millionen Tonnen. Bei einem Jahresbedarf von 125.000 Tonnen nutzt die Banknotenindustrie also gerade einmal zwei Prozent diese “Nebenprodukts” der Baumwollproduktion.

Ein Nebenprodukt, das sich – anders als zum Beispiel Zellstoff – auch durch seine Haltbarkeit auszeichnet: Banknoten müssen unter anderem einen Waschmaschinenwaschgang problemlos und unbeschadet überstehen. Denn seien wir mal ehrlich: Wer erinnert sich nicht an den Moment, wenn eine Banknote nach dem Waschen aus der Hosentasche gezogen wird?

Eine eingebettete Sicherheit, die andere Substrate nicht erreichen können


Soweit die “Rohstoffseite”, die bei Banknoten- und Sicherheitspapieren selbstverständlich nie isoliert, sondern im Paket mit Sicherheit, Haltbarkeit und komplexen Produktionsprozessen betrachtet werden muss: “Die Herstellung einer faserbasierten Banknote aus Baumwolle besticht durch ihre Komplexität, und der Möglichkeit, während der einzelnen Verarbeitungsschritte Sicherheitsfeatures in einer Dichte einzuarbeiten, die andere Substrate nicht erreichen”, sagt Astrid Drexler, Produktmanagerin High-Security Paper bei Louisenthal.

So erfordere zum Beispiel die Herstellung von Papieren mit Wasserzeichen – dem der Öffentlichkeit wohl bekanntesten Sicherheitsmerkmal – fundierte Detailkenntnisse in der Rundsiebtechnologie, um für jede einzelne Denomination das passende, individuelle Werkzeug herzustellen. Oder die Herstellung eines Sicherheitsfadens, der bis zu 18 Arbeitsschritte benötigt, bevor er in eine Note eingebettet werden kann: die damit verbundene “Sicherheitsdichte”, so Drexler weiter, sei weit höher und tiefergehend, als bei Features, die zum Beispiel lediglich aufgedruckt werden.

Mit anderen Worten: Baumwolle ist “dreidimensional”. Der Rohstoff bietet die Möglichkeit, Sicherheitselemente wie Fäden in sein Inneres einzubetten oder eine dreidimensionale Struktur zu bilden, wie etwa Wasserzeichen. Aber: “Der Zugang zur Industrie, zu Technologien und zum damit verbundenen Wissensvorsprung machen das mitentscheidende Plus an Sicherheit und Vertrauen in die Baumwollbanknoten aus”, so Drexler.

 

Baumwolle ist “dreidimensional”. Der Rohstoff bietet die Möglichkeit, Sicherheitselemente wie Fäden in sein Inneres einzubetten oder eine dreidimensionale Struktur zu bilden, wie etwa Wasserzeichen.

Neben den steigenden Anforderungen an Sicherheit und Effizienz wird auch der Ruf nach Nachhaltigkeit in der Baumwollproduktion, der Banknotenherstellung wie auch innerhalb des gesamten Cash Cycles stetig lauter – was gleichzeitig zeigt, dass das Thema “nachhaltige Baumwolle” nicht nur an Bedeutung, sondern auch an Komplexität gewonnen hat: Jeder einzelne Produktionsschritt kann als Hebel verstanden werden, der die Nachhaltigkeitsbilanz verbessern kann – vom Rohstoff selbst über den Energieeinsatz bis hin zur Wahl der Transportmittel und -wege.

So schreibt zum Beispiel die ECB in ihrem “2020 update of the ECB’s Environmental Statement”: “Zusammen mit den nationalen Zentralbanken des Eurosystems setzt die Direktion Banknoten der EZB Maßnahmen um, die die Umweltauswirkungen der Produktion von Euro-Banknoten minimieren sollen". So soll beispielsweise der Anteil von Biobaumwolle im Trägermaterial der Geldscheine auf 100 % erhöht werden. “2019 wurden in der Banknotenherstellung etwa 5.210 Tonnen Baumwollkämmlinge (der Hauptrohstoff zur Herstellung von Banknotenpapier) eingesetzt; 57 % davon stammten aus einer aus ökologischer wie auch sozialer Sicht nachhaltigen und entsprechend zertifizierten Produktion.” Und weiter: “Die EZB setzt sich nachdrücklich dafür ein, die Umweltverträglichkeit der Euro-Banknoten zu wahren und weiter zu verbessern, indem sie den Anteil der Biobaumwolle im Papier für die Euro-Geldscheine sukzessiv erhöht.”

Baumwolle ist gelebte Nachhaltigkeit

Dem pflichtet unter anderem auch die De Nederlandsche Bank (DNB) bei, und hat sich bereits im Jahr 2007 dafür entschieden, nachhaltige Baumwolle für die Produktion von Banknoten zu verwenden. “Seit 2019 werden alle unsere neuen Banknoten vollständig aus nachhaltiger Baumwolle hergestellt. Der nachhaltige Anbau von Baumwolle ist umweltfreundlicher als traditionelle Methoden, bei denen viele Chemikalien, wie z. B. Unkrautvernichtungsmittel, eingesetzt werden. Und beim nachhaltigen Baumwollanbau erhalten die Bauern und Baumwollpflücker bessere Löhne.”

In der Tat: Bio-Baumwolle verwendet nicht gentechnisch verändertes Saatgut und Betriebsmittel wie Pestizide und Dünger – aber nur, wenn sie natürlichen Ursprungs sind. Konventionelle Baumwolle hingegen kann gentechnisch verändertes Saatgut sowie Pestizide und Chemikalien verwenden, die selbst nicht biologisch sind. In Bezug auf Leistung, Haptik und Aussehen gibt es keinen erkennbaren Unterschied zwischen Baumwolle, die aus biologischem oder konventionellem Anbau stammt.

Liest sich in der Theorie wunderbar, in der Praxis garantieren und zertifizieren Standards wie das GOTS-Label den Nachhaltigkeitsgrad nicht nur des Endprodukts, sondern des gesamten Produktionsprozesses: “Im Jahr 2006 wurde die erste Zertifizierung nach dem Global Organic Textile Standard durchgeführt. Seither sind über 10.000 weitere Unternehmen hinzugekommen”, sagt Juliane Ziegler, GOTS-Sprecherin für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Die Zahl spreche für sich und zeige, dass es sich hier schon lange nicht mehr nur um einen Trend handelt. Im Vergleich zum “Greenwashing” garantiere GOTS durch unabhängige Zertifizierung die Einhaltung sozialer und ökologischer Standards, vom Feld bis zum fertigen Textil. Und, so Ziegler: “Viele Unternehmen nutzen den GOTS vermehrt als Risikomanagement-Tool. Entlang der Lieferkette gab es zunächst einen Push-Effekt, jedoch wird inzwischen auch der Pull-Effekt mit steigender Nachfrage immer deutlicher spürbar. Der Standard erfüllt das Verlangen vieler Verbraucherinnen und Verbraucher nach mehr Transparenz und Verantwortung”.

Ein Zusammenspiel aus Innovation, Sicherheit und Effizienz


Darüber hinaus lässt sich Nachhaltigkeit nicht nur über die Wahl des Rohstoffs, sondern auch über die längere Haltbarkeit der einzelnen Note gewährleisten: “Unser Ziel ist es, dass die Banknoten länger halten, was bedeutet, dass wir weniger Banknoten produzieren müssen. Das ist gut für die Umwelt und spart Kosten. Wichtig für die Lebensdauer einer Banknote sind die Qualität des Materials und die Schutzbeschichtung”, so die die DNB.

In diesem Spannungsfeld zwischen Innovation, Verantwortung, Sicherheit, Nachhaltigkeit und Effizienz behauptet sich die Baumwolle und wird in Zukunft ihre Position weiter ausbauen, zeigt sich Astrid Drexler von Louisenthal überzeugt: Baumwolle besticht mit der Kombination aus technologischer Erfahrung, Langlebigkeit, Nachhaltigkeit und vor allem der Möglichkeit, höchste Sicherheitsgrade durch die Einbettung von entsprechenden Features zu gewährleisten.

“Don't take the risk!”, so Drexler weiter, im Gegenteil: bewährte Sicherheitskonzepte würden durch Entwicklung und Einsatz nachhaltiger Banknotensubstrate wie Hybrid® oder HybridADDvance® mit dem Ziel kompromissloser Sicherheit und außerordentlicher Haltbarkeit beständig weiterentwickelt und verbessert.

 

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