
Zwei Welten in einer Hand
Wenn Papier und Sicherheitsfaden in einer Banknote zusammenkommen, geht es um mehr als maximale Sicherheit. Wenn dann noch – wie im Fall der Papierfabrik Louisenthal – Forschung, Entwicklung und Herstellung in Laufweite miteinander kommunizieren und produzieren, dann wird daraus ein integrierter Systemlieferant. Ein Gespräch mit Stephan Morgenstern, Leiter Produktion Papierherstellung, und Patrick Engelmann, Project Manager Technologies, Threads & Foils, darüber, wie sich Know-how und Effizienz in modernen Sicherheitsfäden verbinden.
Was die Einbettung des Fadens ins Papier angeht: Vor welchen Herausforderungen stehen Sie heute?
Stephan Morgenstern: Schon der Einbettungsprozess ist anspruchsvoller geworden, beginnend bei der Spule. Statt kleiner Fadenspulen mit 12 Zentimetern Durchmesser setzen wir heute Spulen von etwa 25 Zentimetern und bis zu acht Kilogramm Gewicht ein. Damit die schmalen Sicherheitsfäden nicht überdehnt werden, müssen die Spulen zuggeregelt und angetrieben abgewickelt werden. Gleichzeitig werden die Fäden breiter, wir arbeiten überwiegend mit Breiten von drei bis fünf Millimetern.
Heißt: Die größte Hürde, sowohl beim Handling als auch bei der Verarbeitung, ist die Fadenbreite?
Morgenstern: Im Kern ja. Je größer die wasserundurchlässige Fläche, und das ist eine Folie nun einmal, desto schwieriger wird die Entwässerung. Wir bringen Fasern in hoher Verdünnung auf ein Sieb und entwässern bis zur ersten Blattbildung. In genau dieser sensiblen Phase führen wir einen relativ breiten, dicken „Störfaktor“ in Form einer Kunststofffolie ein.

Stephan Morgenstern, Leiter Produktion Papierherstellung
Wird der Faden damit zum „Feind“ des Papiermachers?
Morgenstern: Als „Feind“ würde ich ihn nicht bezeichnen. In der klassischen Papierlehre gilt jedoch: Alles, was nicht Papier ist, stört erst einmal. Es kann zu Verunreinigungen und Ablagerungen in der Maschine führen, im schlimmsten Fall kleben Fäden am Trockenzylinder. Unsere Aufgabe ist heute das Gegenteil: zwei sehr unterschiedliche Welten zusammenzubringen und Papier und Folie dauerhaft miteinander zu „verheiraten“.
Und für diese „Hochzeit“ braucht es Folienexpertinnen und -experten wie Patrick Engelmann?
Morgenstern: Im Idealfall ja, keine Ehe funktioniert auf Dauer im Alleingang (lacht).
Patrick Engelmann: Ein leerer Papierbogen ist immer einfacher zu bedrucken als ein Papier mit vier Millimeter breiten Sicherheitsfäden. Darum brauchen das Folienwerk und das Papierwerk diese enge räumliche Nähe und Zusammenarbeit. Nur so lassen sich neue Herausforderungen, etwa durch stärkere oder zusätzliche Effekte, gemeinsam zielgerichtet angehen und effizient vorantreiben.
»Bei zunehmender Effekttiefe brauchen wir eine zunehmende Kontrolltiefe«
Welche neuen Herausforderungen sehen Sie derzeit aus Sicht der Fadenherstellung?
Engelmann: Die Komplexität der optischen Effekte und damit der Schichtaufbau eines Fadens nehmen ständig zu, zugleich werden die Fäden breiter. Für den eigentlichen Einbettungs- und Beschichtungsprozess sind Breite und Dicke die entscheidenden Variablen, alles andere ist zunächst eine Frage der Optik.
Nun „liest“ das Auge aber mit.
Engelmann: Genau. Moderne Sicherheitsfäden sollen optische Effekte transportieren. Das menschliche Auge und unsere Inspektionssysteme übernehmen hier die Schlüsselrollen: Bevor Nutzerinnen und Nutzer im Alltag eine Note anhand der Optik prüfen können, müssen wir klar bewerten, ob der Faden seitenrichtig eingebettet ist, ob die Fenster korrekt liegen und das Erscheinungsbild stimmt.
Morgenstern: Mit zunehmender „Effekttiefe“ brauchen wir eine entsprechende „Kontrolltiefe“. Weil Produktion, Entwicklung und Qualitätssicherung bei uns so nah beieinander liegen, können wir uns auch bei steigenden Anforderungen und wachsender Komplexität schnell abstimmen. Das gibt dem Produkt und dem Prozess ein hohes Maß an Sicherheit.

Patrick Engelmann, Project Manager Technologies, Threads & Foils
Wie zeigt sich diese „Sicherheitstiefe“ im Alltag?
Engelmann: Die Authentifizierung muss mit dem menschlichen Auge schnell funktionieren und möglichst unabhängig von äußeren Bedingungen sein. Ob in heller Umgebung oder bei wenig Licht: Die Effekte müssen klar zeigen, dass das, was ich in der Hand halte, kein Druck, keine Kopie ist, sondern ein klar definierter, schwer zu imitierender Effekt. Das gilt im Restaurant, in der Bar, in der Dämmerung oder im grellen Sonnenlicht genauso wie bei gefalteten und geknitterten Banknoten. Es gibt viele Gegenbeispiele, die im perfekt ausgeleuchteten Besprechungsraum beeindruckend aussehen, unter schwierigen Lichtverhältnissen oder nach typischer Abnutzung aber kaum noch erkennbar sind.
Morgenstern: Hinzu kommt die feste Verbindung mit dem Papier. Sicherheit bedeutet für mich auch, dass der Faden so fest eingebettet ist, dass ich ihn nicht herauslösen kann. Niemand soll auf die Idee kommen, einen Faden herauszuziehen, zu zerschneiden und Teile davon auf eine zweite Note aufzubringen.
Engelmann: Hier zeigt sich erneut das enge Zusammenspiel von Papier und Folie. Vor Ort können wir Fragen wie „Welche Temperaturen verträgt der Heißsiegelkleber?“ oder „Wie vermeiden wir, dass der Kleber den Effekt trübt oder mit der Folie reagiert, und erreichen trotzdem eine sehr hohe Klebkraft?“ direkt testen und beantworten.
»Als Systemanbieter wollen und müssen wir weiterdenken«
Lassen sich steigende Anforderungen besser erfüllen, wenn Papier- und Folienwerk als „Doppel“ auftreten?
Engelmann: Ja, denn im Miteinander können wir Technologien nicht nur schneller einsetzen, sondern auch weiterentwickeln. Der Zugang zu Drucktechnologien, die einen Geldschein gut imitieren können, ist heute sehr niedrigschwellig. Als Systemanbieter müssen wir deshalb immer einen Schritt vorausdenken. Gleichzeitig müssen unsere Technologien für den zuverlässigen industriellen Einsatz qualifizierbar und industrialisierbar sein.
Und letztlich vollständig integrierbar?
Engelmann: Genau. Wir verstehen den Faden als integralen Bestandteil eingebetteter Sicherheit, attraktiv gestaltet und mit entsprechender Maschinenlesbarkeit ausgestattet. „Unmatched Security From Within“ bedeutet für uns nicht nur, dass der Faden mechanisch sicher und nicht herauslösbar im Papier sitzt. Dieser Ansatz greift auch im Faden selbst: Über unsere MultiCode-Authentifizierungstechnologie können wir etwa den im Sicherheitsfaden eingebetteten Code individualisieren, was es Fälschenden extrem schwer macht, die komplexe Technologie zu imitieren. Hinzu kommt unsere registrierte Fadeneinbettung, die wir exklusiv anbieten: Der Faden wird bereits bei der Papierherstellung fenstergenau eingebracht. So ist in jedem Fenster stets derselbe Effekt sichtbar, was die Authentifizierung erleichtert und ein zusätzliches Plus an Sicherheit schafft.
„Sicherheit durch Komplexität“ also?
Morgenstern: Ich würde ergänzen: Sicherheit durch Nähe. Sicherheit braucht räumliche Nähe, um Reibungsverluste zu verringern. Sobald beide Technologien an einem Standort in einem Unternehmen angesiedelt sind, können wir nicht nur für jedes Produkt schneller handeln und Entscheidungen treffen, sondern das gesamte System bearbeiten, beurteilen und anpassen.
Engelmann: Das klingt theoretisch, ist in der Praxis aber sehr konkret: Wir sind nicht 2.000 oder 200 Kilometer voneinander entfernt, sondern 200 Meter. Das wirkt sich direkt positiv auf Lieferzeiten, Abstimmungsprozesse sowie Test- und Prüfverfahren aus. Jede und jeder aus dem Entwicklungsteam kann sich bei Bedarf kurzfristig neben die Maschinen stellen.
»Wir liefern schlüsselfertige Gesamtprodukte aus einer Hand«
Und Ihre Kunden können ihr Produkt direkt vor Ort erleben?
Morgenstern: Ja, und das betrachten wir als große Stärke. Als beratender Systemlieferant liefern wir schlüsselfertige Gesamtprodukte, bei denen von der Fadenentwicklung über die Einbettung bis hin zu modernsten Sicherheitsmerkmalen wie unserer MultiCode-Technologie alles aufeinander abgestimmt ist und aus einer Hand funktioniert.

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